Archive für April, 2008

Der holprige Weg in Richtung Freiheit

Mittwoch, April 23rd, 2008
Hollooo,

Hier meldet sich eure kleine Kämpferin “die Arlett”. Mittlerweile schlafe ich in einem großen Kinderbettchen aber leider wieder auf der Intensivstation. Doch wie es dazu kam und was ich seitdem alles erlebt habe, werde ich euch jetzt berichten:

In meinem letzten Bericht durfte ich gerade die ersten Stunden auf der Wachstation verbringen. Ich habe ehrlich gesagt die Zeit da oben sehr genossen. Sehr viele schöne Stunden habe ich dort mit ganz vielen lieben Menschen verbracht. Meine Eltern und ich haben sogar in einigen Momenten vergessen können, dass ich noch nicht gesund bin. Besonders die Wasch- und Massagerituale mit meiner Mutti und die Spielnachmittage mit meinem Papa habe ich sehr genossen!

Zu Ostern durfte ich sogar das erste Mal die Wachstation verlassen und mit meinen Eltern in meinem eigenen Kinderwagen auf die Normalstation fahren. Ich fand es ehrlich gesagt richtig toll darin zu liegen und die Welt “da draußen” kennenzulernen. Und meine Mutti und mein Papa waren richtig stolz, als sie mich das erste Mal auf die Flure der Normalstation gefahren haben. Am Abend war ich total glücklich und beeindruckt, was es doch alles zu entdecken gibt. Das war für uns das allergrößte Ostergeschenk! Und irgendwie schon ein Stück in Richtung “Freiheit”.
Leider ging es mir in den Tagen darauf nicht mehr ganz so gut und ich habe immer etwas Sauerstoff benötigt. Ich habe aber weiterhin sehr stark gekämpft. Als mir meine Eltern am Freitagabend (28.03.2008) “Gute Nacht” gesagt haben, waren sie mal wieder richtig dankbar für den schönen Tag und sind zuversichtlich gegangen. Aber ich muss ehrlich sagen, dass mir danach das Atmen doch immer schwerer gefallen ist. Am Samstagmorgen habe ich wieder einmal eine Spritze bekommen und weil mir diese sehr weh getan hat, musste ich sehr weinen. Ich glaube aber, dass das Weinen für mich zu anstrengend geworden war. Mit einem Mal ging es mir immer schlechter und ich habe kaum noch Luft bekommen. Meinem Herzchen wurde diese Situation auch zuviel und es hat etwas langsamer geschlagen. Zum Glück kamen ganz schnell viele Ärzte und Schwestern und haben versucht mir zu helfen. Sie haben mir beim Atmen geholfen und mich etwas beruhigt.

Meine Mutti und mein Papa wollten in diesen Minuten gerade zu Besuch kommen. Eine Ärztin kam dann mit Tränen in den Augen in den Wartebereich gelaufen und hat meinen Eltern erklärt, dass es mir gar nicht gut geht und wir jetzt alle ganz viel Hoffnung brauchen. Am Schlimmsten war es für Mutti und Papa als sie mit ansehen mussten, wie ich vor ihren Augen, umringt von ganz vielen Ärzten und ganz stark beruhigt, weggeschoben wurde. Sie durften mich nicht einmal streicheln, weil ich ganz viel Ruhe brauchte. Ich wurde dann ganz schnell auf die Intensivstation gefahren und musste wieder von einer Maschine beatmet werden, habe viele Spritzen bekommen und musste viele Medikamente schlucken. Mutti und Papa haben ganz schnell meine Oma und Opa aus Leipzig angerufen, damit sie nicht alleine sein müssen. Zusammen haben sie dann für mich eine Kerze angezündet und mit meinem Schutzengel geredet. Sie hatten ganz große Angst um mich…

Ich habe in diesen Momenten an die schöne Zeit mit den vielen lieben Menschen gedacht und habe ganz stark gekämpft! Nach einer Stunde haben meine Eltern erfahren, dass ich mich schon etwas erholt habe und dass auch mein Herzchen ganz stark kämpft. Ich habe es mal wieder Allen gezeigt, was ich für eine KÄMPFERIN bin!

Die folgenden Tage musste ich mich ganz viel ausruhen! Meine Lunge ist wieder krank geworden und so musste ich fast eine Woche wieder von einer Maschine beatmet werden und verschiedene Spritzen bekommen. Zwischendurch wurde ein Herzkatheter gemacht, indem versucht werden sollte meiner Lunge zu helfen. Leider hat das nicht richtig geklappt und die Ärzte haben in diesen Momenten nur noch als Ausweg gesehen, dass ich ganz schnell meine zweite geplante Operation (eigentlich ja schon die Dritte) bekommen sollte.

Erneut habe ich aber wieder Allen bewiesen, was ich für eine Kämpferin bin! Nachdem mir der Beatmungsschlauch gezogen wurde, habe ich soviel wie noch nie gelächelt und gezeigt, dass ich alles gut weggesteckt habe.

Danach kam eine richtig schöne Zeit des Spielens und Lachens. Ich habe geübt, wie ich greifen kann, wie ich mich drehen kann und natürlich wie ich die ganze Welt mit meinem Lächeln verzaubern kann!

Meine Eltern durften mich das erste Mal fast 3 Monate nach meiner Geburt im Zimmer der Intensivstation zum Fenster tragen und wir haben es alle so richtig genossen, dass es mir so gut geht!

Leider ist meine Lunge in den Tagen darauf wieder kränker geworden und so musste ich erneut beatmet werden. Zum Glück haben Mutti und Papa auch sehr stark für mich gekämpft damit die Maschine nicht noch einmal solange für mich atmen muss. Deshalb konnte ich bereits 2 Tage später wieder alleine atmen… Das vergangene Wochenende habe ich wieder richtig mit meinen Eltern genossen.

Mutti und Papa waren am Abend des letzten Sonntag etwas traurig und besorgt, als sie mir „Gute Nacht“ gesagt hatten… Am nächsten Morgen hatte ich nämlich erneut einen Herzkatheter, um mein kleines Herzchen zu entlasten. Niemand wusste so recht, wie ich wohl auf diesen Eingriff reagieren würde. Aber auch hier habe ich es wieder Allen gezeigt! Nachdem ich aus meinem Schlaf aufgewacht bin, wollte ich sofort wieder eine ganze Flasche leertrinken und habe Alle ganz fröhlich und munter angelacht!

Nun muss ich mich erstmal darum kümmern, dass ich in den nächsten Wochen noch etwas mehr Babyspeck bekomme, damit ich gut gerüstet bin für meine nächste Operation.

Aber ich bin mir sicher, dass ich auch dies gut wegstecken werde und ich im Sommer das erste Mal in meiner eigenen Wiege in Bäärlin glücklich und zufrieden einschlafen kann.

Liebe Grüße, eure tapfere Arlett