Archive für Juni, 2013

Fünfter Engelsgeburtstag

Dienstag, Juni 4th, 2013

Hallo liebe Tagebuch-Freunde,

schon wieder ist ein Jahr vergangen – nun bin ich schon seit 5 Jahren ein kleines Sternenmädchen…

Heute vor 5 Jahren waren so viele liebe Menschen bei mir und waren ziemlich verzweifelt und gleichzeitig noch hoffnungsvoll…. Ich bin so dankbar und froh, dass ich noch viele Stunden mit meiner Mama, meinem Papa, meinem Opa und meiner Oma, meiner Patentante und vielen anderen Menschen, die ich kennenlernen durfte, hatte… Den ganzen Nachmittag, die ganze Nacht und den Morgen bis zu meinem Abschied war ich nie alleine und ich habe noch einmal eure Liebe und Wärme gespürt… Noch einmal habe ich euch allen mein meine Willensstärke gezeigt….

Hier oben im Himmel geht es mir richtig gut, das könnt ihr mir glauben!!! Ich habe gar keine Schläuche, Medikamente oder irgendwelche Pflaster mehr. Ich tanze auf den Wolken mit meine Sternenfreunden und freue mich sehr über meine beiden kleinen Brüder. Besonders schön ist es für mich, wenn Niklas am Abend oder nachts nochmal heimlich auf die Toilette steigt um durch das Dachfenster meinen Stern zu suchen. Dann sagt er mir meistens noch “Gute Nacht”, bevor sich jeder von uns gemütlich in sein Bettchen einkuschelt (ich in meinem kuschelweichen Wolkenbettchen) und dann ganz zufrieden einschläft. Ich bin wirklich stolz und glücklich über meine Geschwister. Niklas ist mittlerweile schon ein richtiger Junge und passt toll auf unseren kleinen Bruder Henrik auf. Er erzählt aber auch immer allen Menschen, dass er nicht nur einen Bruder sondern auch eine Schwester hat und dass wir nicht zu viert sondern zu fünft als Familie sind. Oft erzählt er dann auch, dass ich schon im Himmel bin und dass ich immer auf ihn aufpasse. Er weiß auch ganz genau, dass ich auch in der Uniklinik Leipzig (wie mein kleinster Bruder Henrik) geboren bin, dass ich danach mit dem Krankenwagen in das Herzzentrum gekommen bin und dass ich im Januar schon 5 Jahre alt geworden bin. Ich glaube ganz ehrlich, dass er auch ein bissl stolz ist dass er eine große Schwester hat. Über Henrik kann ich auch den ganzen Tag nur lachen. Er ist der kleine Familienclown bei uns und viele sagen, dass er mir sehr ähnlich sieht (finde ich übrigens auch… ). Ich denke auch, dass er in Sachen “Temperrament” (ich glaube so schreibt man das Wort) einiges von mir hat. Das finden jedenfalls auch die anderen Sternenkinder….

In den letzten Tagen habe ich meiner Familie und Oma und Opa wieder ganz deutlich gezeigt, dass ich immer bei ihnen bin und auf sie beschütze…. Ihr habt doch sicher alle von dem Hochwasser in Sachsen gehört? Bei Oma und Opa fließt auch so ein großer Fluss am Haus entlang. Der Fluss heißt irgendwie so wie ein Vogel – “Weißer Rabe” oder zumindest so ähnlich… Jedenfalls ist dieser Fluss mit dem komischen Namen durch den vielen Regen der letzten Wochen mindestens soooooo groß und auch sooooo hoch geworden. Erst mussten nur die vielen Schafe und Ziegen, die auf dem Flussdeich sonst immer grasen in Sicherheit gebracht werden. Das lustige ist, dass diese große Herde nun direkt neben dem Haus meiner Familie steht und fröhlich blökt. Das ist nun vielleicht ein Spaß für Niklas und Henrik. Weil der Regen aber gar nicht mehr aufhören wollte und der Fluss noch viiiiieeeel größer wurde, mussten Oma und Opa sogar ihr Haus ausräumen weil sie Angst hatten, dass ganz viel Wasser in das Haus fließen wird. Papa hatte ein Bild von mir an die Tür gestellt und mir gesagt, dass ich gut auf das Haus von Oma und Opa aufpassen soll. Rundherum wo meine Oma und mein Opa wohnen, geht es vielen Menschen entlang des „Weißen Raben“ heute leider gar nicht gut geht, weil ihr Haus kaputt ist oder sie andere Dinge durch das große Wasser verloren haben. Die letzten Nächte und Tage waren entsprechend auch bei meinen Eltern und Oma und Opa sehr sehr aufregend. Ich habe das alles von hier oben gesehen und habe ganz ganz doll aufgepasst, dass das Wasser bei Oma und Opa nicht aus dem Fluss läuft. Das war wirklich ganz schön viel Arbeit. Oma, Opa, Mama und Papa können es immer noch nicht glauben, dass gar nichts passiert ist. Aber ich habe ihnen doch versprochen, dass ich immer aufpassen werde!!! Als kleines Zeichen bin ich bereits am Sonntag, als Wasser aus einem Rohr anfing in Opas Garagenkeller zu laufen, auf die Erde gekommen um meinen Papa zu beruhigen. Natürlich nicht persönlich, das geht ja leider nicht – ich musste mir eine kleine Verkleidung wählen. Papa hatte das Rohr nur mit einem Tuch versucht dicht zu machen, damit kein Wasser mehr rauskommt. Ich habe mich dann als kleiner Frosch auf das Tuch und das Rohr gesetzt und bin den ganzen Tag nicht mehr von dem Rohr weggegangen. Papa sagt es war als hätte ich das Tuch festgehalten. Jetzt sind alle ganz froh, dass alles gut gegangen ist und ich bin auch ehrlich gesagt ganz schön geschafft….

Jedenfalls wissen jetzt alle wieder, dass ich sie niemals vergessen werde und dass meine Familie ganz, ganz doll lieb habe!!! Morgen wird sicher nochmal ein trauriger Tag werden, weil viele Menschen nochmal sehr traurig sein werden, dass sie mich nicht mehr sehen können und mit mir lachen können… Ich werde sicher auch etwas traurig sein… Aber ich weiß, dass wir uns alle eines Tages wiedersehen werden! Dann werde ich mit meinen beiden Brüdern um die Wette Puppenwagen, Laufrad und Bobbycar fahren, mit meinem Bruder Henrik um die Wette essen (er ist auch so gern), mit meinem Bruder Niklas probieren, wer am weitesten zählen kann und mit allen anderen Menschen, die ich so lieb habe einfach nur kuscheln.

Eure Arlett